FÜR ARTEMIS

Linoldruck auf Papier 2020-2022

Der Ausgangspunkt der Serie “Für Artemis” ist eine Sammlung von A5-Linolschnitten, die sich an den Archetypen des klassischen Tarot orientieren und diese mit Symbolen, Zeichen und Bildtraditionen aus unterschiedlichen kulturellen und erfundenen Kontexten verbinden. Im Zentrum der Arbeit steht die Frage, wie Symbole außerhalb festgelegter religiöser oder esoterischer Systeme funktionieren können.

Ausgangspunkt des Projekts ist die Entwicklung eines Orakelsystems, das von den Antwortmöglichkeiten des klassischen Tarot abweicht und eine in sich schlüssige Bildsprache ist, die neue Formen der Interpretation ermöglicht.

Die Zeichen werden aus ihren ursprünglichen Zusammenhängen gelöst und in neue Beziehungen gesetzt. Dadurch entsteht ein offenes Bildvokabular, das alternative Zugänge zu Wissen und Wahrnehmung eröffnet und als Gegenpol zu einer rein rationalen Welterklärung verstanden werden kann.

Ein wesentliches Anliegen des Projekts ist die Übersetzung dieser Symbolwelt in unterschiedliche Medien und räumliche Situationen. Mich interessiert, wie sich die Bedeutung der Zeichen verändert, wenn sie neue Kontexte durchlaufen und unterschiedlichen Formen der Rezeption begegnen.

Die hier gezeigte Rauminstallation besteht aus rund 60 Metern handbedrucktem Stoff sowie einer Vitrine mit einem gedruckten Kartendeck. Unter dem Titel für Artemis entstand sie als Diplomprojekt an der Akademie der bildenden Künste Wien.

Die Installation war zwei Wochen lang in den Bildhauerateliers der Akademie der bildenden Künste Wien in der Kurzbauergasse 9 im zweiten Wiener Gemeindebezirk ausgestellt. Der Raum war als Ritualstätte konzipiert und lud dazu ein, sich auf eine atmosphärische Erfahrung einzulassen.

Ein wesentlicher Bestandteil der Installation war ein Räuchergefäß, in dem eine Mischung verschiedener Heilkräuter der Gattung Artemisia verbrannt wurde. Diese verweist auf die Namensgeberin des Projekts. Artemis gilt als Göttin des Mondes und wird mit Mondtraditionen sowie als Schutzpatronin von Frauen und Kindern in Verbindung gebracht.

Das intensive Räuchern verstärkte einerseits die Anmutung eines rituellen Ortes und sollte andererseits den Geist in einen leicht entrückten Zustand versetzen, um die Offenheit für Visionen und innere Bilder zu fördern.

Darüber hinaus wurden die Motive des Projekts als Projektion auf die Fassade des Kunsthauses Graz in den öffentlichen Raum übertragen. Die Arbeit untersucht damit die Wandlungsfähigkeit von Symbolen und ihre Fähigkeit, zwischen persönlicher Imagination, kollektiven Bildwelten und gesellschaftlichen Bedeutungsräumen zu vermitteln.

www.museum-joanneum.at/kunsthaus-graz